Die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich hinsichtlich der strukturellen Rahmenbedingungen grundlegend von der im Erwachsenenbereich.

Die Indikationen umfassen nicht nur den medizinischen Sektor. Die Entwicklung im Kontext von Familie und Umfeld birgt Chancen zur Teilhabe aber auch spezifische Probleme.

Die betroffenen Kinder müssen sich auf die Bewältigung ihres Lebens einstellen und sich mit ihren Fähigkeiten ihrer gesundheitlichen Situation anpassen. Dies beinhaltet auch, dass mögliche sekundäre Chronifizierungen (z.B. eine nicht den gesundheitlichen Anforderungen entsprechende Berufswahl) bereits im Vorfeld verhindert werden.

Insofern wirken Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche durchaus präventiv.

Besondere Therapien

Stationäre Rehabilitation ist als ärztlich geleitete Maßnahme für chronisch kranke Kinder und Jugendliche zu sehen, deren ambulante und/oder vorausgehende Krankenhausbehandlung nicht möglich, nicht ausreichend oder in folgenden Punkten der Ergänzung bedarf:
  • Bewältigungsstrategien (Copingverhalten)
  • Neuorientierung des Reha-Konzepts
  • Verbesserung/Abmilderung einer medizinischen Problematik.

Die angewandten Methoden sind vor allem

  • Übende Verfahren (Schulung, Selbstmanagement, Therapien)
  • Integration in eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Gesundheitsproblemen als Modell der Situation zu Hause
  • Verhaltensbeobachtung in alltagsnahen Situationen
  • Überprüfung von medikamentöser Therapie und Hilfsmittelstrategien anhand der stationären Ergebnisse.
  • Erarbeitung/Einübung von realisierbaren Strategien der weiteren Therapie und Alltagsbewältigung bezogen auf chronische Krankheiten.
    

Hintergründe

Inhaltlich liegt diesen Zielen eine Theorie der Rehabilitation zugrunde, wie sie von der „Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin“ gemeinsam mit der „Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation“ und den Leistungsträgern erarbeitet wurde.

Das Konzept der ICIDH 2 (internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit und Behinderung) stellt die Kernaussagen wie sie von der Weltgesundheitsorganisation entwickelt wurden zusammen. Sie umfasst jede im Zusammenhang mit der körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung einer Person stehende Beeinträchtigung eines „funktionalen Zustands“ auf den Ebenen des Körpers, der Person und der Gesellschaft.

„Funktionsfähigkeit“ und „Behinderung“ sind dabei Oberbegriffe für die drei Dimensionen:
  • Körperfunktionen und -strukturen,   
  • Aktivitäten auf der Ebene der Einzelperson und
  • Partizipation an der Gesellschaft.
Dieser umfassende Gesundheitsbegriff liegt auch als wesentliche Neuerung dem Sozialgesetzbuch IX zugrunde. Die Teilhabe an der Gesellschaft ist eine übergreifende Zielstellung des SGB IX, um gerade auch Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Um eine möglichst selbstbestimmte Lebensführung zu erreichen, wird das Wunsch- und Wahlrecht behinderter Menschen gestärkt. Die Rehabilitationsträger haben in Zukunft berechtigten Wünschen der Betroffenen zu entsprechen. Das Wunsch- und Wahlrecht ist dabei auch bezogen auf die Auswahl eines geeigneten Dienstes, oder einer geeigneten Einrichtung, wenn diese Einrichtung die Gewähr bietet, dass die Leistung in der entsprechenden Qualität erbracht werden kann. Neu ist dabei eine Einbeziehung der Sozial- und Jugendhilfe in den Kreis der Leistungsträger (= Kostenträger).